Geschichte

Bewahren und Bewegen

Es war einmal...

... so beginnen Märchen oder Geschichten von Menschen, die eine Idee haben: Der Sammler und Käsegroßhändler Rudolf Herz und weitere Gleichgesinnte hatten bereits vor dem ersten Weltkrieg angefangen, Dinge vor dem Vergessen zu retten. Der Krieg lähmte erst einmal das Kulturleben, aber dank der großen Unterstützung aus der Bevölkerung konnte seine Vision Realität werden: Im Sommer 1919 öffnete das "Oberallgäuer Heimatmuseum Immenstadt" in einem historischen Immenstädter Bauernhaus.

Ein Museumsverein, aus dem der heutige "Heimatverein Immenstadt e.V." hervorging, betreute die Sammlung. Herz entschloss sich 1939 Teile der Exponate in sichere Räume zu verlagern. Eine fast hellseherische Tat: In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs besiegelte ein Luftangriff das Schicksal des Museumsgebäudes und zerstörte dabei auch viele Exponate.

Nachfolger von Herz wurde der Architekt Martl Küchle, der 1950 den „Heimatdienst Immenstadt“ gründete. Als der Kapuzinerorden ihm das Hörmann Haus am Klosterplatz überließ, hatte ein neues "Heimatmuseum Immenstadt" wieder einen Platz gefunden. 1957 war die feierliche Eröffnung. Aber Platz war zu wenig, zahllose Objekte konnten gar nicht gezeigt werden, zudem war das Haus der Schrecken jeden Konservators: Feuchte Mauern, undichte Fenster, Holzwurmbefall…

Eine Lösung bahnte sich erst an, als die damals vom Verfall bedrohte einstige Hofmühle ins Gespräch kam. Die Mühle wurde bereits im 15. Jh. erstmals erwähnt, sie war Mahl-, Säge-, und Papiermühle im 16. Jh., nach 1650 wurde sie zu einer Hammer- und Achsenschmiede umgebaut. 1763 vernichtete einer der vielen verheerenden Brände das Handwerkerviertel und damit die Schmieden. Der Graf zu Königsegg-Rothenfels ließ eine neue Mühle bauen, die stattliche Hofmühle. Sie ging 1805 ans Königreich Bayern, wurde zur „Stadtmühle“, war eine Zeitlang die leistungsfähigste Mühle im Bezirk Schwaben und gelangte schließlich in den Besitz der "Mechanischen Bindfadenfabrik", wo sie als Stromerzeuger, Färberei und Lagergebäude ein Stück Immenstädter Industriegeschichte schrieb.

Die Stadt kaufte 1983 die Mühle und sanierte das denkmalgeschützte Gebäude. 1990 eröffnete ein innovatives junges Themen- und Erlebnismuseum mit zeitgemäßem Ausstellungskonzept und bühnenbildnerischer Gestaltung. Immenstadt hatte nun 700 m² Ausstellungsfläche, nach der Erweiterung im Jahre 1998 sind es 1000 m² lebendiger Geschichte.